Erfahrungswelt der Sinne
Im Mittelpunkt des Erfahrungsfelds steht der Mensch, der etwas über die Welt und sich „erfährt“. An verschiedenen Stationen kann man spielend erfahren „wie das Auge sieht, das Ohr hört, die Nase riecht, die Haut fühlt, die Finger tasten, der Fuß (ver-) steht, die Hand (be-) greift, das Gehirn denkt, die Lunge atmet, das Blut pulst, der Körper schwingt…“
Einige Erfahrungsfelder kann man im Schulhaus und auf dem Schulgelände wiederfinden.
Hören
Der Gong
Der Gong ist eine runde Metallscheibe, der frei aufgehängt mit einem Schlegel bespielt werden kann. Durch diesen Schlegel wird der Gong in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen erzeugen nicht nur einen tiefen, resonanten Ton, sondern werden auch körperlich spürbar. Dadurch kann man das Hören und Fühlen intensivieren.

Der Klangstein
Der Klangstein ist ein faszinierendes Instrument und Erfahrungsobjekt. Es handelt sich dabei um einen speziell geformten Stein, der durch Reiben zum Klingen gebracht wird. Diese Klangsteine sind so gestaltet, dass sie Töne und Vibrationen erzeugen, die sowohl hörbar als auch fühlbar sind.
Der Klangstein besteht in der Regel aus massivem Naturstein, beispielsweise Granit oder Marmor, der aufgrund seiner Dichte und Struktur besonders gut Schwingungen überträgt.
Kükelhaus wollte mit dem Klangstein das Bewusstsein für die enge Verbindung zwischen Klang, Materialität und Körperlichkeit fördern. Es geht darum, zu erleben, wie selbst feste Materie wie Stein in Bewegung und Klang übergeht. Die tiefen, lang anhaltenden Töne des Klangsteins haben eine beruhigende und meditative Wirkung, die es den Menschen ermöglicht, sich zu zentrieren und in einen Zustand der Achtsamkeit zu gelangen.

Das Lithophon
Das Lithophon ist ein Klanginstrument, das aus einer Reihe von unterschiedlich großen und geformten Natursteinen besteht, die durch Anschlagen harmonische Töne erzeugen. Das Wort „Lithophon“ leitet sich von den griechischen Wörtern „lithos“ (Stein) und „phone“ (Stimme oder Klang) ab und bedeutet „Steinklang“. In Kükelhaus' Arbeit ist das Lithophon ein weiteres Beispiel für seine Bemühungen, Menschen durch sinnliche Erfahrungen wieder mit der Natur und ihrem eigenen Körper zu verbinden.
Das Lithophon lädt die Menschen ein, den Klang in seiner einfachsten und ursprünglichsten Form zu erleben. Es schärft das Gehör für natürliche Töne und ermöglicht es, die klanglichen Eigenschaften von Steinen, einem scheinbar stummen Material, zu entdecken.

Holzklang
Der Holzklang ist ein Teil der Klangstationen, die darauf abzielen, das Bewusstsein für akustische Phänomene und die natürliche Beschaffenheit von Materialien zu schärfen. Kükelhaus nutzte Holz, um den Menschen die klanglichen Eigenschaften dieses natürlichen Materials auf spielerische und sinnliche Weise näherzubringen.
Durch Anschlagen, Reiben oder Klopfen der Holzobjekte werden Schwingungen erzeugt, die als Töne hörbar sind. Das Ohr wird trainiert, auf Nuancen im Klang zu achten, die von der Struktur und der Dichte des Holzes abhängen.

Das Monochord
Ein Monochord ist ein Musikinstrument, das aus einer oder mehreren Saiten besteht, die über einen resonanten Klangkörper gespannt sind. Der Name „Monochord“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ein Saite“ (mono = eins, chord = Saite).
Hugo Kükelhaus integrierte das Monochord in sein „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“, weil es hervorragend dazu geeignet ist, die physikalischen Grundlagen des Klangs zu demonstrieren und gleichzeitig eine tiefere, meditative Erfahrung zu bieten.

Der Summstein
Der Summstein ist ein großer Stein mit einer Öffnung, in die der Benutzer seinen Kopf hineinstecken kann, um durch Summen oder Brummen einen besonderen Klang- und Körpereffekt zu erleben.
Der Summstein besteht aus einem massiven Naturstein, welcher Töne auf besondere Art und Weise verstärkt und moduliert. Durch die Resonanz im Stein und die Schallreflexionen innerhalb des Hohlraums entstehen tiefe, vibrierende Klänge, die nicht nur hörbar, sondern auch im Körper spürbar sind.
Durch die intensive Schallwahrnehmung, die den Körper in Vibration versetzt, fördert der Summstein das Körperbewusstsein. Benutzer spüren die Verbindung zwischen Klang und Körper auf eine sehr unmittelbare Weise und können dadurch eine tiefe meditative oder achtsame Erfahrung machen. Er zeigt weiterhin, dass selbst ein scheinbar fester und „toter“ Stein zum Leben erwachen kann, wenn er mit Klang in Resonanz gebracht wird.

Gleichgewicht
Die Partnerschaukel
Die Partnerschaukel ist ein spezielles Schaukelgerät, das so gebaut ist, dass zwei Menschen sich gegenübersitzen und schaukeln können. Beide Schaukeln sind im oberen Viertel miteinander verbunden und bilden ein gekoppeltes System. Die Schaukelpartner wechseln dabei zwischen Stillstehen und Pendelausschlag. Die Schaukelbewegung des einen überträgt sich auf die des anderen Partners. Gegenseitige Abhängigkeit wird dadurch unmittelbar erlebbar.

Die Balancierscheibe
Die Balancierscheibe ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Gerät zur Förderung des Gleichgewichts. Es handelt sich dabei um eine Scheibe, die auf einem beweglichen Untergrund, oft einer Halbkugel, liegt. Wenn man sich auf diese Scheibe stellt, kippt sie in alle Richtungen, und man muss das Gleichgewicht halten, um nicht herunterzufallen.
Das Ziel ist, die Balance durch kleine Bewegungen des Körpers zu finden. Dadurch wird das Körperbewusstsein geschärft, und die Muskulatur sowie die Körperbeherrschung wird gestärkt.

Schaukeln
„Ein Leben ohne Schaukeln ist ein Missverständnis“ soll Hugo Kükelhaus einmal geäußert haben. Daher nehmen Schaukeln im „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ eine zentrale Rolle ein. Schaukeln ermöglicht es, den eigenen Körper in einem harmonischen Rhythmus zu bewegen, was ein grundlegendes Erlebnis für das Gefühl von Gleichgewicht und Koordination ist. Die gleichmäßigen, wiederkehrenden Bewegungen des Schaukelns haben eine beruhigende und stressreduzierende Wirkung. Kükelhaus erkannte, dass solche Erfahrungen besonders in der modernen, oft hektischen Welt wichtig sind, um innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden.
Die Elemente: Erde- Wasser- Feuer-Luft
Die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft spielen im „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ eine zentrale Rolle, da sie grundlegende Kräfte der Natur darstellen und direkte, sinnliche Erfahrungen ermöglichen.
**Erde**
Die Erde steht für Festigkeit, Beständigkeit und Stabilität. Im Erfahrungsfeld wird dieses Element genutzt, um den Tastsinn und das Körpergefühl zu fördern. Teilnehmer können beispielsweise barfuß über verschiedene Bodenbeläge laufen, in Sand graben, einen Komposthaufen anlegen oder eine Kräuterspirale pflanzen. Dies ermöglicht ein intensives Erleben von Texturen, Konsistenz und Widerstand.

**Wasser**
Wasser steht für Fluss, Bewegung und Veränderung. Es wird genutzt, um die Wahrnehmung von Temperatur, Feuchtigkeit und Fließen zu schulen. Stationen mit Wasserschalen, Wasserstrudel oder Wasserbecken laden dazu ein, das Element mit den Händen oder Füßen zu spüren, zu hören und zu sehen.
Wasserstrudel
Der Wasserstrudel ist ein einfaches, aber faszinierendes Gerät, das dazu dient, das Phänomen von Strömungen und Wirbeln im Wasser zu beobachten und zu verstehen. Es besteht oft aus einem durchsichtigen Behälter, der mit Wasser gefüllt ist und durch eine Kurbel in Bewegung versetzt werden kann.
Dabei entsteht ein Strudel, ähnlich wie ein kleiner Tornado im Wasser. Dieser Wasserwirbel zeigt, wie Bewegung und Drehung im Wasser Kräfte erzeugen können. Durch das Beobachten des Wasserstrudels kann man etwas über Strömungen, Schwerkraft und die Dynamik von Flüssigkeiten lernen. Es schärft die Wahrnehmung und das Verständnis für die natürlichen Kräfte, die uns umgeben.
Die Wasserklangschale
Die Wasserklangschale ist ein weiteres faszinierendes Instrument aus dem „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“, das dazu dient, die sensorische Wahrnehmung von Klang, Vibration und Wasser zu erforschen. Sie verbindet auf einzigartige Weise die Elemente Wasser und Klang und ermöglicht eine intensive, meditative Erfahrung.
Der Benutzer reibt mit nassen Händen über die Griffe der Schale. Durch die Reibung entstehen Schwingungen, die die Schale in Resonanz versetzen. Diese Schwingungen übertragen sich auf das Wasser, das sich in der Schale befindet. Während die Schale klingt, beginnt das Wasser auf der Oberfläche zu vibrieren. Diese Vibrationen führen zu faszinierenden Mustern und Wellen, die sichtbar werden. In manchen Fällen können durch starke Schwingungen sogar kleine Wassertropfen aus der Schale springen, was die Kraft der Schwingungen verdeutlicht.
**Feuer**
Feuer symbolisiert Wärme, Energie und Transformation. Im Erfahrungsfeld kann das Element durch das Betrachten einer Flamme, das Spüren von Hitze oder das Hören des Knisterns von Feuer erlebt werden. Feuer stellt eine intensive sensorische Erfahrung dar, die den Seh- und Tastsinn besonders anspricht und die Faszination für die Urkräfte der Natur weckt.
**Luft**
Luft steht für Leichtigkeit, Bewegung und Freiheit. Dieses Element wird genutzt, um die Atmung und das Gefühl von Wind und Bewegung zu betonen. Stationen können Luftströme oder Windspiele beinhalten, die das Element erlebbar machen.
Die Tastkrüge
Die Tastkrüge sind ein sinnliches Erfahrungsgerät, das entwickelt wurde, um den Tastsinn und die Wahrnehmung zu schärfen. In jedem Krug befindet sich ein anderes Material oder Objekt, das man mit den Händen ertasten kann. Dies fördert die Konzentration auf den Tastsinn und erfordert eine bewusste Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Oberflächen, Formen und Texturen.

Rieseltafel
Eine Rieseltafel ist ein Erlebnisobjekt aus dem „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“. Sie dient dazu, die sinnliche Wahrnehmung von Schwerkraft, Bewegung und Struktur zu fördern und spielerisch zu erforschen.
Die Tafel besteht aus einem glatten Material, das wenig Reibung erzeugt, damit das rieselnde Material frei und gleichmäßig fließen kann. Die Körnchen oder Kügelchen, die über die Tafel rieseln, bestehen meist aus einem Material, das gut sichtbar ist und interessante Muster bildet. Das Erschaffen dieser Muster und das Beobachten der Bewegung fördert die Achtsamkeit und kann eine beruhigende Wirkung haben.

Labyrinth
Das kretanische Labyrinth soll im „Erfahrungsfeld der Sinne“ keinen Irrgarten darstellen. Das Labyrinth symbolisiert für Kükelhaus den menschlichen Lebensweg und repräsentiert die Suche nach dem Zentrum, dem inneren Kern des Menschen.
Im Labyrinth erlebt man Zeit und Raum auf eine andere Weise. Der gewundene Weg, der immer wieder dreht und wendet, lässt die Teilnehmer die Relativität von Raum und Zeit erfahren. Dies entspricht Kükelhaus' Ziel, Menschen aus ihrer Alltagsroutine zu holen und sie dazu zu bringen, ihre Umgebung intensiver wahrzunehmen.
Das Labyrinth ist auch ein Ort der inneren Reflexion. Kükelhaus sah es als ein Werkzeug, um Menschen zu sich selbst zu führen. Der meditative Prozess des Gehens ermöglicht es den Teilnehmern, sich auf ihre inneren Gedanken zu konzentrieren und sich selbst besser kennenzulernen. Damit unterstützt das Labyrinth Selbsterkenntnis, Achtsamkeit und die ganzheitliche Wahrnehmung.

Tiere
Für Hugo Kükelhaus spielten Tiere eine wichtige Rolle in seiner pädagogischen und philosophischen Arbeit. Tiere verkörpern in seiner Sichtweise den unmittelbaren Kontakt zur Natur, der den Menschen daran erinnert, dass er selbst Teil eines größeren ökologischen Ganzen ist. Durch die Beobachtung und das Zusammenleben mit Tieren wird diese Verbundenheit mit der Natur erlebbar und erfahrbar gemacht.
Tiere schärfen die Sinne und fördern die Wahrnehmungsfähigkeit. Für Kükelhaus boten Tiere eine natürliche Möglichkeit, die Sinne zu aktivieren und zu sensibilisieren. Die Begegnung mit Tieren kann sowohl die visuelle, auditive als auch taktile Wahrnehmung fördern und somit zur ganzheitlichen sensorischen Erfahrung beitragen.
Im Kontext der Erziehung und Pädagogik sah Kükelhaus Tiere als wertvolle Lehrer an. Tiere können den Menschen durch ihre Verhaltensweisen, ihre Bedürfnisse und ihre Interaktionen viel über Leben, Verantwortung und Empathie lehren.
Für Kükelhaus war der respektvolle Umgang mit Tieren auch eine Frage der Ethik. Die Achtung des Lebens war für ihn ein zentraler Aspekt einer ganzheitlichen und humanen Lebensführung.
In unserer Schule sind Tiere willkommen. So dürfen wir jedes Jahr im Frühling erleben, wie Küken in der Aula schlüpfen und ihre ersten Lebenstage verbringen. Verschiedene Möglichkeiten für Insekten (Insektenhotel, Totholz, Komposthaufen) und insektenfreundliche Wiesen laden alle Tiere ein, auf dem Schulgelände zu verweilen. Drei Bienenvölker werden durch Schüler und Lehrer begleitet und liefern jedes Jahr leckeren Honig. Auch Therapiehunde und Therapiehühner bereichern den Schulalltag unserer Schüler.
![]()
Schriften und Schreiben
Hugo Kükelhaus hatte eine besondere Sicht auf Schriften und das Schreiben.
Er betonte dabei die physische Komponente des Schreibens, also den aktiven Einsatz der Hand und des Körpers. Er sah das Schreiben als einen sinnlichen umd ganzheitlichen Prozess, bei dem die Hand als „verlängertes Organ des Denkens“ fungiert. Das physische Schreiben – im Gegensatz zum Tippen auf einer Tastatur – schafft eine direkte Verbindung zwischen den Gedanken und ihrer Ausdrucksform, was für Kükelhaus entscheidend für das Verständnis und die Bewusstwerdung des Geschriebenen war.
Kunst
Hugo Kükelhaus betrachtete Kunst als einen wesentlichen Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der Förderung der ganzheitlichen Wahrnehmung. Kükelhaus war der Meinung, dass Kunstwerke die Sinne auf vielfältige Weise ansprechen und schulen können. Durch Kunst wird der Mensch angeregt, seine Umgebung bewusst und intensiv wahrzunehmen, was für Kükelhaus ein Schlüssel zur persönlichen Entwicklung und zum tieferen Verständnis der Welt war.


